Chronik - Fischereiverein Selb e.V

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Vereinsgeschichte


Die folgende Chronik zeigt Ihnen den Werdegang des Fischereiverein Selb. Der mit viel Idealismus und Einsatz
seiner Vorsitzenden, mit seinen zeitweilig fast 400 Mitgliedern ein Kleinod rund um die Markgrafenteiche geschaffen hat.



Sowohl der Angelfischerei als auch der Erwerbsfischerei wurde in Selb und Umgebung zur Jahrhundertwende 18/19 eine große Bedeutung beigemessen. So war es nur ein kleiner Schritt, einen Fischereiverein in Selb auf die Beine zu stellen.

Am 3. März 1902
war es dann so weit. Es wurde beschlossen, einen „Fischereiverein für den Distrikt Selb" zu gründen. Der Gründer und auch späterer Vorsitzende war der Fabrikbesitzer Theodor Jäger. Ab jetzt galt es, für den noch jungen Verein mit dessen bereits 75 Mitgliedern geeignete Vereinsgewässer zu suchen und zu finden. Die ersten Fischgewässer wurden der Selbbach von der Landesgrenze bis zur Sommermühle und später noch die Strecke bis zur „Hutschenreutherschen Fabrik".
Ein Gewässer war nun vorhanden, nur sah es mit der Angelfischerei noch schlecht aus. Es fehlte an finanziellen Mitteln, um den Bach zu besetzten. Eine Spende von 20 Mark vom Kreisfischereiverein ermöglichte es, Laichforellen zu erwerben, um in Teichen, die durch die Mitgliedschaft zur Verfügung gestellt wurden Forellenbrut selbst zu erzeugen.

Um 1906 war der Fischbestand im oberen Selbbach soweit erholt, dass über die Ausgabe von Erlaubnisscheinen und die dafür notwendigen Bestimmungen nachgedacht wurde.

1908 Die nun mäßigen Fänge und die unsichere Rechtslage durch das Inkrafttreten des Bayerischen Fischereigesetz beklagten die ersten Angler bereits die schlechte Ausbeute, die auf das Vorhandensein kapitaler Hechte zurück zu führen war.

1909 waren Grund genug, sich zu entschließen, den Pachtvertrag für den oberen Selbbach nicht zu verlängern. In der Zeit der Industrialisierung in Selb sowie in den Wirren des 1. Weltkrieges beschränkte sich die Vereinstätigkeit auf das Vermitteln von Satzfischen.

1921 zählte der Verein 132 Mitglieder. Die Inflation erstickte zwischen 1922 und 1925 jegliche Vereinstätigkeit. Erst Ende 1925 ergriff der Vereinsgründer Theodor Jäger wieder die Initiative und berief eine Generalversammlung ein, die dafür stimmte, den „Fischereiverein für den Distrikt Selb" wieder auflegen zu lassen. Wieder wurde der Gründer zum Vorsitzenden gewählt.

Zum zweiten Ma
l musste der Verein Aufgebaut werden. Zum zweiten Mal mussten Gewässer gesucht und Pachtverträge geschlossen werden. Dies war eine schwierige Aufgabe, da die finanziellen Verhältnisse auf Grund der Inflation nicht die Besten waren.

1928 stand der Verein nun wieder auf festeren Fundamenten. Die Vorstandschaft trat mit den Eigentümern des „Gehteichs" in Pachtverhandlungen. 1931 wurde man mit den Eigentümern des „Schupfenteiches" einig, der Pachtschilling betrug 70 Mark jährlich.

1933 starb der Vereinsgründer und Vorsitzende Theodor Jäger, sein Nachfolger wurde der Stadtamtmann Hans Scharrer. Dieser musste mit der Erwerbslosigkeit und Kurzarbeit in der Porzellanstadt ansehen, wie der Verein auf eine Mitgliederzahl von 83 schrumpfte.

Die Machtübernahme der NSDAP blieb auch im Verein nicht unbemerkt. 1934 wurde statt eines Vorsitzenden ein Führer gewählt, der nahezu uneingeschränkte Machtbefugnisse hatte, im März des Jahres wurde der Verein aufgefordert, dem „Reichsverband Deutscher Sportangler" beizutreten.

1935 erlitt der Verein in seinen Bemühungen um den Aufbau eines Angelgewässers einen großen Rückschlag. Die Eigentümer des Schupfenteiches waren nicht bereit, den Pachtvertrag zu verlängern. Die Mitgliederzahl erreichte einen Tiefpunkt von 62 Personen.

1939 stellte Hans Scharrer seinen Posten zur Verfügung, Georg Hoffmann wurde zum neuen Führer gewählt. Die Kriegsjahre 1940 bis 45 legten die Vereinstätigkeiten des Fischereivereins lahm.

1946 der Verein stand nun schon zum dritten Mal vor einem Neuaufbau. Als erster Nachkriegs-Vorsitzender wurde Georg Groh gewählt. Diesmal galt es, die Hürden, die die Nachkriegsbürokratie mit sich brachte zu überwinden. Es musste bei der amerikanischen Militärregierung ein Antrag auf Zulassung eines Fischereivereins abgegeben werden. Die Besatzungsbehörden erteilten unter strengen Auflagen die Genehmigung, die Geschäfte des Vereins weiter zu führen. Die Verantwortlichen des Vereins sahen ihre Hauptaufgabe aber jetzt darin, Satzfische zu organisieren und unter den Teichwirten aufzuteilen.

1948 wurde Wilhelm Wölfel zum (jetzt wieder) Vorsitzenden gewählt.

1949 wurden die ersten Stimmen laut, die die „Beschaffung eines vereinseigenen Fischwassers zur Ausübung der Angelfischerei" forderten. Da kein geeignetes Angelgewässer zur Verfügung stand einigte man sich nach langen Diskussionen darauf, bei nächst möglicher Gelegenheit zuzugreifen.

1955 wurde Wilhelm Wölfel zum Vorsitzenden gewählt. In diesem Jahr wurde eine Sportanglergruppe innerhalb des Fischereivereins gegründet, mit der Hoffnung, so eine Steigerung der Mitgliederzahlen und eine Aufnahme in den Selber Sportverband zu erzielen. Es wurden erstmals Pachtverhandlungen mit den Eigentümern der Markgrafenteiche geführt, die aber ein vergeblicher Versuch blieben. Darauf hin kam der Vorschlag auf, die offen gelassenen Kaolingruben der „Schönhaider Kaolin- und Kapselerdegruben" in Schönhaid unter Vertrag zu nehmen. Bereits im Sommer 55 wurden sich beide Parteien einig und ein Fischereipachtvertrag konnte dem Landratsamt Tirschenreuth zur Genehmigung vorgelegt werden.

1958 musste der Verein um seine Gewässer in Schönhaid bangen, da die Liquidation der Firma eine fristlose Kündigung der Pachtverträge nach sich zog. Nur der Hartnäckigkeit der Vorsitzenden Georg Hoffmann und den Umstand, dass das Areal durch das Forstamt Falkenberg übernommen wurde, sicherte das Pachtverhältnis vorläufig bis 1970.

1966 legte Georg Hoffmann sein Amt nieder. Als Nachfolger wurde Georg Strobel gewählt.

1973 wurde Leo Militzer als Vorsitzender gewählt.

1974 hatte der Pachtvertrag für die Schönhaider Waldseen noch vier Jahre Gültigkeit. Es wurde aber bekannt, dass der Verein „Naturpark Steinwald" die Schönhaider Waldseen in ein Naherholungsgebiet einbeziehen möchte. Es war zu vermuten, dass der Fischereiverein bei der Neuvergabe des Nutzungsrechts das Nachsehen haben wird, so versuchte Leo Militzer abermals mit den Eigentümern der Markgrafenteiche ins Gespräch um ein Pachtverhältnis zu kommen. Es gelang, sich zu einigen und so konnte den Mitgliedern bereits 1975 ein Vorvertrag vorgelegt werden.

1977 wurde der Traum des Vereins wahr. „Angeln vor der Haustür". Da war der Schmerz über den Verlust der Schönhaider Gewässer auch nicht all zu groß.

1978 nutzte der Verein, den Steinfurtteich zu erwerben.

1985 übergab Leo Militzer sein Amt an Richard Mayer.

1986 wurde der Anbau an den Steinbunker, die heutige Fischerhütte fertig gestellt.

1988 wurde die Gelegenheit genutzt, den angebotenen Anteil der Markgrafenteiche zu kaufen.

1993 konnte man bereits den dritten Anteil an den Markgrafenteichen Vereinseigentum nennen, somit war man im Besitz von 50% des Areals.

1996 verstarb Richard Mayer und Horst Müller übernahm kommissarisch sein Amt. 1997 wurde er dann ordentlich zum Vorsitzenden gewählt.

2000 stellte sich Horst Müller nicht mehr zur Wiederwahl, Peter Grimmer wurde das neue Vereinsoberhaupt.

2001 scheiterten die Verhandlungen über einen Anteilskauf an den Markgrafenteichen, doch bot sich die Gelegenheit, die zwischen Steinfurtteich und Markgrafenteich gelegenen „Ulrich"-Teiche zu erwerben. Nach zähen Preisverhandlungen konnte Peter Grimmer dieses Teichgrundstück günstig in die Vereinsliegenschaften einreihen.

2009 wurde der vierte Anteil an den Markgrafenteichen erworben.

2010 nach dem plötzlichen Tod des Vorstands Peter Grimmer übernahm Bernd Knab die Vereinsgeschäfte.

2012 „Selber Fischgewässer sind Kulturgut“ Das Prädikat erhalten die über 500 Jahre alten Markgrafenteiche des Fischereivereins Selb. Landrat Döhler spricht von „Schmuckstücken''. Mit dem Prädikat „Kulturgut" sind am 9. Juni die Markgrafenteiche in Selb ausgezeichnet worden. Die Anlage könne auf eine über 500Jahre alte Geschichte zurückblicken, begründete Dr. Peter Thoma, Vorsitzender der Teichgenossenschaft Oberfranken, die Auszeichnung. Eine Besonderheit und gleichzeitig die Voraussetzung für die Verleihung des Prädikats sei es dabei, dass die Markgrafenteiche noch immer bewirtschaftet werden.


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Dass die Schwerpunkte in der Angelfischerei längst nicht mehr nur beim Angeln liegen zeigen vor allem die Arbeiten die rund um die Gewässer erledigt werden müssen.
In den Jahren seit 1977 wurden die Markgrafenteiche und auch der Steinfurtteich wenn man es so ausdrücken will einem großen Kundendienst unterzogen. Die Angelgewässer wurden auf Grund der zunehmenden Verlandung und Verschlammung grundlegend erneuert. Sie wurden entschlammt, die Ufer wurden neu angelegt und in den beiden Markgrafenteichen wurden Brutinseln für die heimische Vogelwelt angelegt. Der Uferbereich wurde hierbei nicht nach anglerischen oder fischereilichen Gesichtspunkten angelegt sondern nach den Bedürfnissen der vorkommenden Flora und Fauna.
Dem Fischereiverein ist es vor allem wichtig, dass das Gesamte, sprich die Vogelwelt, Insekten und Amphibien und natürlich auch die Pflanzenwelt eine Einheit bilden. Dass bedeutet aber nicht, dass der Natur freier Lauf gegeben wird. Die eine und andere Weichenstellung ist oft von Nöten, damit das Gleichgewicht zwischen Ökologie und Ökonomie bestehen bleibt.
Bruthilfen für heimische Vogelarten wie zum Beispiel für den Eisvogel (Brutinsel) oder die bei uns vorkommenden Fledermäuse liegen dem Verein ebenso am Herzen, wie die Hege und Pflege des Fischbestandes.
Durch Ausbildung von angehenden Anglern, durch intensive Jugendarbeit und Projekttagen mit Grundschulklassen der 4. Jahrgangsstufe versucht der Fischereiverein Selb seinen Beitrag aktiv bei zu tragen, ein gewisses Verständnis für die Natur zu bilden.
Das macht deutlich, dass die Angelfischerei längst nicht mehr nur durch den Fischfang geprägt wird. Die Angelfischerei bedeutet für uns Hege und Pflege des Lebensraums unsere heimischen Fische sowie auch die Pflege und Unterstützung der an dieses Habitat angrenzenden Pflanzen und Lebewesen.

Nach diesen Gedanken wird der Fischereiverein Selb e.V. wohl auch die nächsten, hoffentlich Jahrzehnte arbeiten und das Vermächtnis der vorangegangenen Idealisten weiter verwalten.

Schöne Grüße und Petri Heil

Matthias Grimmer



 
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